Thomas Huber
Das ist vertikaler Geschwindigkeitsrausch: Eine Mischung aus Speed- und Frei-Klettern. Nur die besten Kletterer der Welt suchen auf diesem Weg nach neuen Kicks. Sie werfen sich im freien Fall in ein Kletterseil oder klettern frei auf Geschwindigkeit. Wie viel mehr Speed hält der Mensch aus, das ist dabei die Frage.
Die markanteste und längste Route am El Capitan ist die Nose. Auch geübte Seilschaften brauchen durchschnittlich zwei bis fünf Tage, um die Tausend-Meter-Wand auf dieser Route zu bezwingen. Alexander und Thomas Huber versuchen es in AM LIMIT in 2 Stunden und 30 Minuten. Die Huberbuam gehen dabei an ihr physisches wie psychisches Limit.
Angst und hohes Risiko ist mit im Spiel. Schnelligkeit steht gegen Präzision. Es gibt keine Zeit für unnötige Sicherungen. Der Pendelquergang über 20 Meter wird gemacht, während der andere noch klettert. Konzentration und Anspannung bis zum Anschlag. Einen Fehler darf es nicht geben. Keine Sekunde darf verschenkt werden. Ein Sturz würde alles zunichte machen. Ein Sturz könnte tödlich sein.
Die siebziger Jahre brachten dem Yosemite nicht nur das "easy living" der Flower-Power-Generation, sondern auch eine Revolution im Klettersport: Technisches Klettern war out, Frei-Klettern an den Big Walls des Tals wurde zur wichtigsten Disziplin.
1993 erschütterte eine Frau die Grundfeste der alpinen Männerwelt. Lynn Hill kletterte als erste frei die Riesenwand des El Capitan - nicht mit Haken und Hammer, sondern mit Muskelkraft und Magnesia. Sie eröffnete damit ein neues Kapitel in der Klettergeschichte des Yosemite Valley - Free the Big Walls.
Danach kamen die Huberbuam. Sie kletterten als erste nach Lynn Hill die ganz großen Touren am El Capitan frei, erschlossen neue Routen. Außerdem kletterten sie im höchsten Schwierigkeitsgrad (10+) "Free Solo" und setzten damit neue Maßstäbe. Sie schufen Kunst-Kletterkunst und wurden zu Akrobaten der Vertikalen. In immer kürzerer Zeit wurden die großen Touren durchgeklettert. Es begann eine neue Zeit zu ticken und die Uhr wurde ihr Gegner. "Speed" war das neue Zauberwort. Die Huberbuam und andere begannen, gegen die Uhr zu klettern. Schneller und immer schneller. Im höchsten Schwierigkeitsgrad. Wo früher Tage gebraucht wurden, sind es heute nur noch wenige Stunden, um auf schwierigsten Routen einen Tanz zu vollziehen in 1.000 Meter vertikalem Granit.


